Gut&Boesel: Brandenburgs regenerative Agrarwende mit Benedikt Bösel
By Gut&Boesel Team
PermaNews Brief
Key Takeaways
Ein Brandenburger Betrieb zeigt, wie regenerative Land- und Forstwirtschaft trockene, sandige Böden revitalisieren und gleichzeitig ein profitables Ökosystem schaffen kann.
- Ganzheitliches Weidemanagement verbessert Bodenfruchtbarkeit und Humusaufbau.
- Syntropischer Agroforst schafft widerstandsfähige Ökosysteme auf kargen Böden.
- Kontinuierliche Bodenbedeckung schützt vor Austrocknung und fördert Bodenleben.
- Regenerative Methoden ermöglichen Landwirtschaft auch bei Klimawandel.
- Wirtschaftlicher Erfolg durch ökologische Sanierung ist möglich.
Why It Matters
Dieses Fallbeispiel zeigt einen erfolgreichen Weg, wie Landwirtschaft sich an den Klimawandel anpassen, Bodengesundheit wiederherstellen und gleichzeitig ökonomisch tragfähig bleiben kann. Die angewandten Methoden sind ein Modell für andere Betriebe in herausfordernden Regionen.
What to Do Next
Informieren Sie sich über ganzheitliches Weidemanagement und prüfen Sie, wie es an Ihre lokalen Gegebenheiten angepasst werden kann.
Recommended for: Landwirte, Forstwirte und Agrarinvestoren, die an praktischen Lösungen für regenerative Landnutzung interessiert sind.
Gut&Boesel ist ein innovativer Landwirtschaftsbetrieb in Alt Madlitz, Brandenburg, etwa eine Stunde östlich von Berlin, der sich der regenerativen Landwirtschaft und Forstwirtschaft verschrieben hat. Der Betrieb wird von Benedikt Bösel geleitet, einem ehemaligen Investmentbanker, der die Geschäftsführung des Schlossguts Alt-Madlitz von seinen Eltern übernahm und seitdem einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft vorantreibt. Auf insgesamt 3000 Hektar, bestehend aus 2000 Hektar Wald und 1000 Hektar ökologischer Landwirtschaft, arbeitet das Team an zukunftsfähigen Strategien für nachhaltige Landnutzung. Der Betrieb nennt seinen ganzheitlichen Ansatz "Beyond Farming" – ein Konzept, das über konventionelle ökologische Landwirtschaft hinausgeht und sich auf Bodengesundheit und Humusaufbau konzentriert. Die Standortbedingungen in Alt Madlitz sind besonders herausfordernd: sehr sandige, nährstoffarme Böden und geringer Niederschlag machen die Landwirtschaft schwierig. Nach zwei aufeinanderfolgenden Dürresommern erkannte Bösel, dass allein Technologie nicht die Zukunft sichern kann, und begann, sich mit regenerativen Landwirtschaftsmethoden auseinanderzusetzen. Auf dem Betrieb werden verschiedene innovative Methoden praktiziert und erforscht: ganzheitliches Weidemanagement, Kompostierung, syntropischer Agroforst, Waldumbau und die Entwicklung neuer Software und Technik. Das ganzheitliche Weidemanagement ist ein Kernprinzip – die Rinder grasen täglich auf unterschiedlichen Flächen und fressen nur so viel Pflanzen, dass das Wurzelwachstum gestärkt wird. Das niedergetretene Material dient als Nahrung für Bodenorganismen, und der Rinderdung fungiert als organischer Dünger. Die 100 Angus- und Salersrinder des Betriebs sind 365 Tage im Jahr draußen und weiden über die Äcker, um die Böden zu regenerieren. Mob Grazing wird hier besonders zur Bodenverbesserung eingesetzt, da die entstehende Mulchschicht vor Austrocknung schützt und den Humusgehalt sowie ein gesundes Mikroklima fördert. Der Betrieb experimentiert auch mit Agroforstsystemen, bei denen schmale Baumstreifen die Felder durchziehen, und mit syntropischer Landwirtschaft, die auf autarke Pflanzensysteme abzielt, die Bewässerung, Dünger und Pestizide überflüssig machen. Ein besonderes Merkmal ist das Laub-Weide-System, ein silvopastoraler Agroforst, durch den langfristig die Kühe weiden können. Der Betrieb arbeitet mit Partnerschaften wie ecover und Followfood zusammen, um weitere Agroforstsysteme und Waldumbau-Projekte zu planen. In einem Winter wurden insgesamt 17,5 Kilometer Baum- und Saatstreifen angelegt, 1,5 Millionen Samen gesät und über 250 Nistkästen für Schleiereule, Wiedehopf und andere Vogelarten aufgehängt. Gut&Boesel ist ein Modellbetrieb, der von Wissenschaftlern begleitet wird und offen für Besucher ist – besonders für junge Menschen, die "multifunktionale Landwirtschaft" erleben möchten. Der Betrieb versorgt auch Kunden mit hochwertigem Bio-Weiderind, das alle zwei Wochen gekühlt und per Expressversand verschickt wird. Die Rinder werden per Weideschuss direkt auf der Weide erlegt, ohne Stress, was sich in der Qualität des Fleisches widerspiegelt. Das Zentrum aller Arbeit bei Gut&Boesel ist der Boden – die Überzeugung, dass gesunde Böden die Basis für die Lösung vieler drängender Probleme unserer Zeit sind, vom Klimawandel und dem Verlust der Artenvielfalt bis hin zu Hunger und Chancengleichheit. Der Betrieb arbeitet an der Entwicklung neuer Maschinen für Agroforstsysteme und kooperiert mit dem renommierten Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL). Benedikt Bösel hat auch ein Buch geschrieben, in dem er die Idee regenerativer Landwirtschaft und seine Methoden wie Aufforstung, Kompostierung und Bodenbearbeitung beschreibt. Gut&Boesel steht für die Verbindung von Tradition und Innovation, praktischer Arbeit mit Erde an den Händen und theoretischer Forschung unter dem Mikroskop.
Source: gutundboesel.org
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