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Jena-Experiment: Mehr Biodiversität, besserer Ertrag

Jena-Experiment: Mehr Biodiversität, besserer Ertrag

TL;DR: Pflanzliche Artenvielfalt steigert langfristig die Produktivität und verbessert wichtige Ökosystemfunktionen auf Grünlandflächen, oft über die Effekte intensiver Landwirtschaft hinaus.

  • Artenreiche Wiesen sind produktiver.
  • Verbesserte Kohlenstoff- und Wasserspeicherung.
  • Höhere Dürre- und Überschwemmungsresistenz.
  • Biodiversität schützt Grundwasser vor Überdüngung.
  • Positive Effekte der Vielfalt verstärken sich mit der Zeit.

Why it matters: Die Studie zeigt, dass der Erhalt und die Förderung von Biodiversität nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch vorteilhaft für die Landwirtschaft sind und Umweltschäden reduzieren.

Do this next: Beginnen Sie damit, Blühstreifen oder artenreiche Säume auf Ihrem Land anzulegen, um die Vielfalt an Pflanzen und Insekten zu fördern.

Recommended for: Landwirte, Gärtner und Naturschützer, die an wissenschaftlich fundierten Methoden zur Steigerung der Ökosystemleistung interessiert sind.

Das Jena-Experiment ist eines der weltweit größten und längsten laufenden Biodiversitätsforschungsprojekte, das 2002 von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie gegründet wurde. Das Experiment untersucht die Zusammenhänge zwischen pflanzlicher Artenvielfalt und Ökosystemprozessen auf einer 10 Hektar großen ehemaligen Ackerfläche in Thüringen. Auf dieser Fläche wurden über 500 Versuchsparzellen mit verschiedenen Kombinationen von Wiesenpflanzen angelegt – von Parzellen mit nur einer Art bis zu solchen mit 60 verschiedenen Pflanzenarten. Die Fläche wird seitdem als gering genutztes Grünland mit zweimaliger Mahd pro Jahr und ohne Düngung bewirtschaftet. Ein zentrales Ergebnis des Experiments ist, dass artenreichere Wiesen über die gesamte Laufzeit des Projekts eine höhere Produktivität aufwiesen als artenarme Wiesen. Dies ist besonders bemerkenswert, da intensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung mit zusätzlicher Düngung und häufigerer Mahd denselben Produktivitätseffekt nicht erreichte. Die Forschung zeigt, dass Biodiversität etwa 45 Prozent der verschiedenen Ökosystemfunktionen positiv beeinflusst. Artenreiche Wiesen zeigen verbesserte Kohlenstoffspeicherung im Boden, bessere Wasserspeicherung und erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürren und Überschwemmungen. Die Pflanzengemeinschaften mit höherer Biodiversität schöpfen Ressourcen vollständiger aus und schützen benachbarte Ökosysteme sowie Grund- und Oberflächenwässer vor Überdüngung. Ein wichtiger Befund ist, dass die positiven Effekte der Biodiversität erst mit der Zeit stärker werden – manche Effekte wurden erst vier bis fünf Jahre nach Projektbeginn sichtbar. Dies bedeutet, dass die negativen Auswirkungen des derzeitigen Artenverlustes erst in kommenden Jahren vollständig augenscheinlich werden. Die Ergebnisse demonstrieren, dass ein Landwirt, der bestimmte Arten fördert und düngt, im Durchschnitt nicht erfolgreicher ist als die Natur selbst. Biodiversität zahlt sich also auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen aus und trägt zu besseren Ökosystemdienstleistungen bei. Das Experiment beweist aufgrund seiner Breite erstmals, dass ein Verlust der Artenvielfalt negative Konsequenzen für viele einzelne Komponenten und Prozesse in Ökosystemen hat. Das weltweite Artensterben wirkt sich direkt auf die Stoffkreisläufe aus – und diese nehmen direkten Einfluss auf den Wasserhaushalt, der Quell allen Lebens.