Event

Prof. Windisch (TU München): Kühe als Klimaretter?

By Prof. Wilhelm Windisch
Prof. Windisch (TU München): Kühe als Klimaretter?

PermaNews Brief

Key Takeaways

Rinder sind keine Klimakiller, vielmehr können sie in regionalen Kreislaufwirtschaften eine positive Rolle spielen und Stoffkreisläufe schließen.

  • Tierhaltung: Klimawirkung hängt vom System ab.
  • Rinder können Nährstoffe recyceln und Land pflegen.
  • Kurzlebiges Methan anders bewerten als CO2.
  • Emissionsminderung ohne Tierbestandsreduktion möglich.
  • Regionale Kreisläufe integrieren Tierprodukte sinnvoll.

Why It Matters

Die differenzierte Betrachtung der Tierhaltung ist entscheidend für nachhaltige Landwirtschaft und die Entwicklung regionaler Lebensmittelkreisläufe. Es hilft, vereinfachte Narrative zu überwinden und praktikable Lösungen zu finden.

What to Do Next

Informieren Sie sich über lokale Initiativen, die regenerative Weidewirtschaft oder Kreislauflandwirtschaft mit Tierhaltung praktizieren.

Recommended for: Für alle, die ein umfassendes Verständnis der Rolle von Nutztieren in nachhaltigen Systemen entwickeln möchten, insbesondere Landwirte, Umweltschützer und bewusste Konsumenten.

Dieser Beitrag dokumentiert einen öffentlichen Vortrag von Prof. Wilhelm Windisch (TU München) am Universitätsbildungszentrum (UBZ) Augsburg, gehalten am 22.11.2023, der die Rolle von Rindern und anderen Nutztieren in regionalen Kreislaufwirtschaften differenziert und kontextualisiert. Windisch argumentiert gegen vereinfachende Narrative, die Rinder pauschal als „Klimakiller“ bezeichnen, und stellt dar, wie tierische Produktion innerhalb integrierter, lokal orientierter Systeme funktionieren kann. Zentrale Thesen des Vortrags sind: Nutztierhaltung ist nicht automatisch klimaschädlich, sondern ihre Klimawirkung hängt stark von Haltungssystem, Fütterung, Landschaftsmanagement und der Einbindung in regionale Stoffkreisläufe ab. Prof. Windisch betont, dass Rinder – richtig eingesetzt – organische Materialströme schließen helfen, Nährstoffe recyceln und Flächenbewirtschaftung ermöglichen, die andernfalls brachliegen würden; in extensiven Weide- und Grünlandsystemen können sie zur Erhaltung von Kulturlandschaften, zur Biodiversitätspflege und zur Humusbildung beitragen. Weiter führt er aus, dass Methanemissionen aus Rindern in biogeochemischen Zusammenhängen bewertet werden müssen: Kurzlebiges Methan hat ein anderes klima­wirksames Profil als dauerhaftes CO2, und politische sowie wissenschaftliche Debatten sollten diese Unterschiede berücksichtigen. Windisch skizziert zudem Maßnahmen zur Minderung von Emissionen, die nicht notwendigerweise eine Reduktion des Tierbestands bedeuten müssen, etwa Veränderung der Fütterung, optimierte Weideführung, Förderung von Tiergesundheit und produktivitätssteigernden Managementmaßnahmen, sowie die Verlagerung von Ernährungssystemen hin zu regionalen Kreisläufen, in denen tierische Produkte als Teil eines vielfältigen Angebots gesehen werden. Ökonomische, kulturelle und ernährungsphysiologische Aspekte werden ebenfalls angesprochen: Der Vortrag differenziert zwischen industrieller Massentierhaltung und regionaler, kleinteiliger Nutztierhaltung, verweist auf ernährungswissenschaftliche Funktionen tierischer Lebensmittel (z. B. Mikronährstoffe) und diskutiert Verbraucher- und Handelsperspektiven. Windisch plädiert für eine politikgestützte Förderung nachhaltiger Tierhaltungssysteme, transparente Ökobilanzen, ehrliche Kommunikation über Trade-offs und für regionale Wertschöpfungsketten, die Landwirtinnen und Landwirte fair entlohnen. Der Beitrag enthält kontextualisierende Beispiele und verweist auf wissenschaftliche Quellen, Praxisbeispiele und mögliche Bewertungsmetriken, um die Komplexität der Debatte um Methan-Emissionen und Tierhaltung zu veranschaulichen. Insgesamt bietet der Vortrag eine nuancierte Sichtweise, die darauf abzielt, polarisierende Darstellungen zu überwinden und praktikable Wege für die Integration von Nutztieren in nachhaltige, regionale Landwirtschaftssysteme aufzuzeigen.

Source: ubz-augsburg.de

Related Analysis

Browse all analysis →

Related on PermaNews

Explore more in Food Systems & Growing — the full hub for this knowledge area.